Fritz Haber und chemische Waffen? — Hintergrund

Licht und Schattenseiten des Lebensweges von Fritz Haber
(*1868 in Breslau, †1934 in Basel)

Karlsruher Zeit bis 1911

Nach dem Studium der Chemie trat Fritz Haber 1894 eine Stelle an der TH Karlsruhe an, wo er 1906 ordentlicher Professor im Teilbereich Physikalische Chemie und Elektrochemie wurde. Besonders hervorzuheben sind seine wissenschaftliche Arbeiten zur Ammoniaksynthese aus den Elementen, die 1909 zum Erfolg führten. Ammoniak ist einer der Grundchemikalien sowohl für Düngemittel als auch für Sprengstoffe. Diese Arbeiten und die technische Umsetzung durch die BASF hatten im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Bedeutung.

Die Berliner Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918

Vor dem Hintergrund des Zusammenspiels von Staat, Wirtschaft und Wissenschaft wurde 1911 die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gegründet (ab 1948 Max-Planck-Gesellschaft). Eines der ersten Institute war 1911 das Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie dessen Direktor von 1911 bis 1933 Fritz Haber war.

Im Ersten Weltkrieg stellte Fritz Haber seine Erfahrungen und auch seine Arbeitskraft bedingungslos der deutschen Kriegsführung zur Verfügung. Fritz Haber – gemeinsam auch mit anderen – ist zunächst im Zusammenhang mit der Sicherung des Munitionsbedarfs durch die erfolgreiche Salpeterversorgung über die bereits erwähnte Ammoniaksynthese zu sehen (damit auch für die Verlängerung des Krieges!).

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Besonders wird aber sein Name bei der Entwicklung und des Einsatzes von tödlich wirkenden Chemikalien (Beispiele: Chlor, Phosgen, Senfgas) als erstes Massenvernichtungsmittel der Menschheitsgeschichte genannt (erster Einsatz am 22.04.1915 in Ypern; Resultat etwa 1.000 Tote und 10.000 Verletze). Die Haager Landkriegsordnung von 1899 und 1907 als Teil des humanitären Völkerrechts untersagte aber den Vertragsstaaten (auch dem Deutschen Reich) im Kriegsfall die Verwendung von "Giften oder vergifteten Waffen".

1916 übernahm Fritz Haber eine selbstständige Abteilung im Kriegsdepartment, und er leitete als erster Wissenschaftler eine Abteilung im Kriegsministerium.

Seine Frau Clara Immerwahr (erste Chemikerin, die in Deutschland in physikalischer Chemie promovierte) wandte sich gegen die Perversion der Wissenschaft und erschoß sich am 02.05.1915 mit der Dienstpistole ihres Mannes (Seit 2004 erinnert die "Clara-Immerwahr-Auszeichnung" des IPPNW an diese Frau). Dagegen stellte Fritz Haber sein Institut einschließlich Tierversuchen vollkommen auf die Entwicklung chemischer Waffen um. Am Ende des Ersten Weltkrieges kann man von 90.000 "Gas-Toten" und über eine Million "Gas-Verletzten" ausgehen. Auch im Ersten Weltkrieg gab es Friedensorganisationen (z.B. "Bund neues Vaterland"), wo Fritz Haber, wie es andere Wissenschaftler oder kulturelle Persönlichkeiten getan haben, sich hätte gegen den Krieg engagieren und kritisch Stellung beziehen können.

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Fritz Haber kurzzeitig als Kriegsverbrecher geführt. Obwohl durch den Versailler Friedensvertrag verboten, befaßte er sich weiter mit chemischen Waffen. Er hat dies nie bereut! Fritz Haber erhielt 1918 den Nobelpreis Chemie für die Ammoniaksynthese, was international zu großen Protesten auch anderer Wissenschaftler führte. Betroffen durch das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" der Nationalsozialisten verließ Fritz Haber Deutschland und verstarb kurz danach.

Und heute

1953 wurde das Kaiser-Wilhelm-Institut in "Fritz-Haber-Institut der MPG" umbenannt.

Fritz Haber kann heute kein Vorbild sein. Für Chemiewaffen hat die sehr umfassende und von 188 Staaten unterzeichnete "Chemical Weapons Convention" über das Verbot, der Entwicklung, Herstellung, Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen und über die Vernichtung solcher Waffen Gültigkeit. Der Verhaltenskodex der Gesellschaft Deutscher Chemiker verpflichtet die Mitglieder gegen den Mißbrauch der Chemie durch Chemiewaffen. Damit ist das, was Fritz Haber getan hat, heute nicht mehr möglich!