Fritz Haber und chemische Waffen? — Ein Appell

Entwicklung waffentauglicher Giftgase und politisches Wirken für ihren Einsatz
im Ersten Weltkrieg sind tiefdunkle Seiten in Fritz Habers Biographie —

— aber ein renommiertes Forschungsinstitut trägt weiterhin seinen Namen ...

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Das ehemalige "Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie", dessen erster Direktor Fritz Haber war, und jetzige "Fritz-Haber-Institut" der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) in Berlin wurde 1911 gegründet. Die Bedeutung des Instituts und die wissenschaftlichen Leistungen der Mitarbeiter/innen wurden durch Nobelpreise (zuletzt der Nobelpreis für Chemie 2007 an G. Ertl) und zahlreiche weitere Wissenschaftspreise gewürdigt.

Jedoch in wenigen anderen Wissenschaftlern vereinen sich Nutzen der Wissenschaft für die Menschheit – die Erfindung der Ammoniaksynthese für die Düngemittelherstellung – und ihr Missbrauch in so extremen Maße wie bei Fritz Haber: Mit seinen Forschungsarbeiten und seinen politischen Ambitionen hat Haber im ersten Weltkrieg eines der schrecklichsten Kapitel der Kriegsführung, die Entwicklung und Anwendung chemischer Waffen als erstes Massenvernichtungsmittel, eingeläutet [ » Quellen und Hintergründe ].

Hinzu kommt, dass Haber der erste Wissenschaftler war, der eine Abteilung im Kriegsministerium leitete. Sein wissenschaftliches Institut hat er vollständig auf die Entwicklung chemischer Waffen umgestellt. Die Entwicklung der Ammoniaksynthese durch Fritz Haber führte auch zur erfolgreichen Salpeterversorgung als Rohstoff für Explosivstoffe (Munition) und damit zur Verlängerung des Ersten Weltkriegs mit seinen verheerenden Folgen.

Unser Appell zur Umbenennung des Fritz-Haber-Instituts

Es wird Zeit, dass wir als verantwortliche Wissenschaftler auch der dunklen Seite des Nobelpreisträgers Fritz Haber Rechnung zollen: Das Chemiewaffenübereinkommen von 1997 und der Verhaltenskodex der Gesellschaft Deutscher Chemiker machen den Namen "Fritz-Haber-Institut" nicht mehr länger vertretbar. Die Umbenennung des Instituts wäre eine mutige Konsequenz. Gerade bei dem wissenschaftlichen Ansehen, den das Institut hat, ist es notwendig und richtig, sich von dem Namen Fritz-Haber-Institut zu trennen und einen würdigen Namen zu finden. Dafür setzen wir uns ein.

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Der Appell zur Umbenennung des Fritz-Haber-Instituts wird inzwischen von vielen Organisationen mitgetragen [ » UnterstützerInnen ].

Prof. Dr. Dieter Wöhrle und Prof. Dr. Wolfram Thiemann, FB-02 der Universität Bremen, stellten den Appell zur Umbenennung des Instituts im August 2011 vor.

Wenn auch Sie den Appell unterstützten wollen oder Kommentare zu unserer Initiative haben, wenden Sie sich bitte an den Initiator D. Wöhrle: Sie finden seine Adresse im Impressum.